Samstag, 17. Dezember 2011

Die Enziwigger von der Quelle bis Willisau - Fotogalerie


Endlich verfügt die Homepage der Heimatvereinigung des Wiggertals eine Foto-Sammlung der Wigger. Folgende Galerie zeigt den Verlauf der Enziwigger vom Napf bis nach Hergiswil. Die Heimatvereinigung dankt Peter Helfenstein aus Hergiswil herzlichst für die schönen Aufnahmen.

Aufnahmen: P. Helfenstein, Beschriftung: P. Helfenstein, Bearbeitung: P. Kurmann















































Montag, 12. Dezember 2011

Heimatkunde 2012 Vorschau: Das Ende einer kulturellen Plattform

David Kunz

Das Bild ist irgendwie symptomatisch. Im KKL zu Luzern ist an jenem Freitag­ abend wieder einmal ein Konzert zu Ende. Männer mit glänzenden Schuhen und Frauen in feinem Tuch schlendern an die frische Luft, im Ohr die letzten Töne des rumänischen Pianisten Radu Lupu. Jost Küng, 69, setzt sich an die Bar. Der pensionierte Landarzt erzählt in der Leuchtenstadt vom Ende des Kul­turForums Rottal. Küng war bis 2006 der «Herr Doktor» in Grossdietwil und in den letzten vierzehn Jahren Obmann des KulturForums Rottal. Ende Jahr zo­gen Küng und fünf weitere Mitglieder einen Schlussstrich unter die 45­jährige Geschichte der Institution, die zuletzt ein Gospelkonzert, eine Konzertreihe zu Ehren des Künstlers Hans Roelli und eine Ausstellung mit Werken zweier einheimischer Malerinnen organisiert hatte.
Dank dem Forum war über die Jahr­ zehnte allerlei Kultur in die Gemeinden Grossdietwil, Altbüron und Fischbach gesickert. Für das Aus nennt Küng zwei Hauptgründe. Es wurde immer schwie­riger, Leute zu finden, die sich im Fo­rum engagieren wollten, und die Reso­ nanz beim Publikum blieb zusehends unter den Erwartungen der Organisato­ren. «Wir haben etwas aufgegeben, von dem wir denken, dass es keine Zukunft hat», sagt Küng. Zusammen mit Susan­ ne Scherpel­Jütte, Heidi Meier Huber, Ruedi Scheidegger, Ursula Fischer und Josef Imbach entschied er sich Ende 2010, die lose Gruppierung ganz auf­ zulösen.
Noch vor wenigen Jahren hing der Himmel über dem Rottal zwar nicht voller Geigen, doch die Kulturwelt sah etwas anders aus.
Es ist 2006, das KulturForum Rottal feiert sein 40­jähriges Bestehen. Eine Festschrift geht in Druck, knapp zwei Dutzend Seiten, auf denen Vergangen­ heit, Gegenwart und Zukunft des Fo­ rums beleuchtet werden und der Blick hoffnungsvoll nach vorne geht. Nur zwei Jahre zuvor hatten die Mitglieder die Institution nämlich vom verstaubt anmutenden Namen «Bildungszirkel» befreit und sie in eben jenes KulturFo­rum Rottal umgetauft – als welches sie wenig später von der Kulturlandschaft verschwinden sollte. Die Umtaufe nö­ tig gemacht hatte eine Ausweitung des Programms, mit dem man weitere Krei­ se ansprechen wollte, denn der Kon­ kurrenzkampf um Publikum war längst lanciert.

Das sah früher noch anders aus, im Jahre 1966

Der Hunger nach Wissen und Unterhal­ tung wächst, die ersten Menschen sind im All, und das Fernsehen ist eben erst gerade eingeführt. Josef Bucher, Louis Henseler, Franz Koller, Josef Lingg, Sieg­ fried Meyer und Josef Steinmann rufen den Bildungszirkel ins Leben. Mit Kino­ vorführungen vertreiben sie den Rot­talern im Winter die Zeit. «Chinas Weg zur Weltmacht» oder «Finnland, Land der Wälder» heissen die Streifen, der Pro­ jektor aus dem Schulhaus, die Filme aus Bern, das nächste Kino weiss Gott wo. Auch Vorträge organisieren die umtrie­ bigen Gründer. Zum Frauenstimmrecht etwa, zur Schweiz und der EG referiert Viktor Peter, zur biologischen Schäd­ lingsbekämpfung Martin Andermatt, zum Entstehen einer Zeitung Joe Zihl­ mann und über Moskau Zita Affentran­ ger. Kurse gibt’s zu Bauernmalerei und Mengenlehre, und erste klassische Kon­ zerte in der Kappelle Altbüron kommen trotz anfänglicher Skepsis gut an.

Bettagskonzert 1978

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Heimatkunde 2012 Vorschau: «Mangerie» – ein archäologisches Fenster in die Steinzeit des Wauwilermooses


Ebbe Nielsen

Die Suche nach steinzeitlichen Funden auf gepflügten Äckern hat im Wauwilermoos eine lange Tradition. Namhafte Amateurarchäologen wie Caspar Meyer und Josef Bossart waren während Generationen unverzichtbare Mitarbeiter bei Forschungsprojekten und haben die beeindruckende Sammlung des Wiggertaler Museums mit Akribie zusammengetragen. Besonders wertvoll ist die genaue Zuweisung der Funde zu den jeweiligen Fundstellen, da dies bei der wissenschaftlichen Auswertung von grösster Bedeutung ist. Ohne diese freiwilligen und engagierten Mitarbeiter wäre die Arbeit der archäologischen Wissenschaft in vielen Bereichen gar nicht möglich. Es ist aber auch zu erwähnen, dass die Suche nach archäologischen Funden nur mit Genehmigung der kantonalen Behörden gestattet ist und sonst unter Strafe steht.
Caspar Meyer konnte als Lehrer in Schötz viele Schüler für die Archäologie begeistern. Einer dieser Schüler war Franz Hunkeler, heute Wirt im «St. Anton» in Egolzwil. Franz Hunkeler hat während Jahrzehnten eine grosse Sammlung Artefakte zusammengetragen, die wichtige Kenntnisse zur steinzeitlichen Siedlungsgeschichte ergeben.
Bei der Erweiterung der Dependance «Mangerie», am Rande des Wauwilermooses bei Egolzwil, ergab sich die Möglichkeit, einen Teil dieser schönen Sammlung der Öffentlichkeit im Rahmen einer kleinen Ausstellung zugänglich zu machen. Die 3 Meter lange und 1,5 Meter hohe Vitrine wurde in Zusammenarbeit mit der Kantonsarchäologie Luzern konzipiert. Ausstellungskonzept und Gestaltung wurden von der Kantonsarchäologie geliefert, die anfallenden Materialkosten von der Familie Hunkeler getragen.

Die Sammlung umfasst einen Querschnitt durch die steinzeitliche Geschichte des Wauwilermooses. Funde der eiszeitlichen Tundrajäger, der Waldjäger der Mittelsteinzeit wie auch der jungsteinzeitlichen «Pfahlbauer» zeichnen die Sammlung aus. Es bot sich somit geradezu an, den Besuchern der «Mangerie» eine Zeitreise durch die Steinzeit zu bieten. Jede Epoche wird mit einer kleinen, rekonstruierten Szene symbolisiert. Hinzu kommen Einzelthemen wie Fernkontakte und Silexhandwerk, die das Verständnis dieser spannenden Zeit ermöglichen sollen. Ergänzt wird die Sammlung von Franz Hunkeler mit einer interessanten Lochaxt aus der Sammlung Josef Bossart (Schötz) und einem in der Steinzeit aus Italien eingeführten Silexdolch, der von Hans Graf (Egolzwil) gefunden wurde.
Das Wauwilermoos, ehemaliges Siedlungsgebiet der steinzeitlichen Menschen, liegt direkt vor den grossen Fenstern des Restaurants – ein wirklich idealer Ort für die Ausstellung der Funde. Es wird pro Jahr mit bis zu 10000 Besuchern von Anlässen in der «Mangerie» gerechnet.

Vollständiger Artikel in der Heimatkunde 2012.

Franz Hunkeler mit Sammlung

Franz Hunkeler bei der Feldarbeit

Egolzwil 3: Kulturschicht

Egolzwil 3: Messer

Montag, 5. Dezember 2011

Heimatkunde 2012 Vorschau: Leben zwischen verschiedenen Welten

Monika Fischer

Die erste Wohnadresse von Aasim und Taghrid Halas mit den Kindern Maryam (2003), Hassan (2006), Farah (2008) und Selma (2010) in der Schweiz war der Heimatweg in Wikon. Der Frage nach der Heimat löst in dem aus dem paläs­ tinensischen Gazastreifen stammenden Ehepaar unterschiedliche Gefühle aus.

«Heimat ist da, wo man seine Wurzeln hat, sich sicher fühlt, wo man Fami­lie und Freunde hat, mit denen man emotional und von der Mentalität her verbunden ist. Heimat ist da, wo Men­schen mich ohne Worte verstehen, so, wie ich bin. Nach so langer Zeit im Ausland fühle ich mich nirgendwo da­ heim», erklärt Aasim Halas und schildert seine Lebensgeschichte:
1976 wurde er im Gazastreifen als ältes­ter von vier Brüdern geboren. Da der Vater aus politischen Gründen das Land verlassen musste und in Jordanien leb­te, pendelte die Mutter mit den Kindern die ersten Jahre hin und her. Sie brachte die Familie mit Näharbeiten durch. Als Aasim Halas zwölf Jahre alt war, zog die Mutter mit den Söhnen nach Ägypten, in den Nordsinai, wo sie erstmals mit dem Vater als Familie zusammenleben konnte. Mit dem Erlös seines Kleider­ geschäftes investierte der Vater alles, was er erübrigen konnte, in die Ausbil­dung seiner Söhne. Nach Abschluss des Gymnasiums absolvierte Aasim in der Türkei das achtjährige Medizinstudium. Einer der Brüder studierte Wirtschaft im
Gazastreifen, ein weiterer Architektur in Dubai.
Ehefrau Taghrid (1977) stammt aus dem gleichen Dorf im Gazastreifen. Die ers­ten 15 Jahre lebte sie in Kuwait, wo der Vater als Lehrer arbeitete. Wegen des Golfkriegs floh die Familie 1992 in die Schweiz und wohnte zunächst in ver­ schiedenen Asylantenheimen. Taghrid Halas erlernte die deutsche Sprache, absolvierte die Sekundarschule und ar­beitete an verschiedenen Stellen.
Nach der Heirat lebte das junge Ehe­ paar zuerst in der Türkei und ein Jahr in Ägypten. Die junge Frau fühlte sich jedoch in der fremden Umgebung nie heimisch und wollte in die Schweiz zu­rückkehren. Für sie ist klar: «Ich fühle mich in der Schweiz zu Hause. Hier lebt meine Familie, hier ist meine Hei­mat. Ich habe einen guten Kontakt mit den Nachbarn, mit den andern Eltern bei den Zusammenkünften der Schule und Spielgruppe.»
Ihr Mann Aasim jedoch wollte zunächst nicht schon wieder in einem fremden Land mit einer unbekannten Kultur von vorne beginnen. Nach eingehenden Diskussionen mit Kollegen entschied er sich jedoch anders. «Ich wollte die Schweiz, dieses Land und die Men­schen, über die ich so viel gelesen hat­te, doch auch persönlich kennenlernen und die Aussensicht um die Innensicht erweitern.» Seit dem 3. Dezember 2006 lebt er nun in der Schweiz – und war positiv überrascht von den Begegnun­ gen mit vielen sensiblen, freundlichen und hilfsbereiten Menschen.

An seinem Arbeitsort, der Klinik St. Urban, fühlt sich Dr. Aasim Halas daheim.

Der vollständige Artikel befindet sich in der Heimatkunde 2012.

Samstag, 3. Dezember 2011

Heimkunde 2012 Vorschau: Babylonische Sprachverwirrung oder sinnvolle Unterscheidung?


Anita Fries

Wer sich aufmacht, um die Burgruine Kastelen zu besichtigen, spaziert am besten auf dem Chasteleweg vorbei am Schloss Castelen auf den Hügel.
Ein Hügel, drei Schreibweisen: Kastelen – Chastelen – Castelen. Was ist richtig, was ist falsch? Wer hat mit seiner Schreibweise recht? Ist, wer sich auf den Chastelenweg begibt, rechtschreibtechnisch oder sogar sprachgeschichtlich auf dem Holzweg?
Um es vorwegzunehmen: Man läuft weder Gefahr, auf dem Holzweg zu sein noch einen Rechtschreibfehler zu machen. Denn was sich auf den ersten Blick als unlogisch oder gar als ein an babylonische Sprachverwirrung gemahnendes Wirrwarr zeigt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Unterscheidungshilfe und kann als Orientierungshilfe dienen.

Auf sicheren Pfaden geht’s auf dem Chastelenweg hoch zur Burgruine.

Erstens: das Wort

Am Anfang sei das Wort: Im «Schweizerischen Idiotikon», welches die deutsche Sprache in der Schweiz vom Spätmittelalter bis ins 21. Jahrhundert dokumentiert, ist weder unter dem Begriff «castelen» noch «Kastelen» ein Eintrag zu finden. «Chastel» hingegen ist belegt: Das Wort dient als Bezeichnung für ein Schloss, eine Burg oder für Örtlichkeiten, wo es einst befestigte Niederlassungen gab. Solche Schlösser oder eben Burgen gibt es in der
Schweiz nebst «unseren» Kastelen etwa in den Kantonen Bern, Basel, Aargau oder Thurgau; das bündnerische Tiefencastel oder das freiburgische Châtel St-Denis beispielsweise führen den lateinischen Begriff «castellum» bis heute deutlich erkennbar mit sich.
Die Römer – und damit wären wir bei den wirklichen sprachgeschichtlichen Ursprüngen des Begriffs – bezeichneten mit «castellum» eine Festung, befestigte Plätze oder einen Zufluchtsort.

Zweitens: Landeskarte der Schweiz, 1:25 000

Wer sich in unbekanntes Terrain begibt, nimmt ein GPS-Gerät oder, vielleicht etwas altmodischer, eine Karte zu Hilfe. «Karten lesen ist keine Hexerei!», verkündet ein Hinweis auf dem Blatt «1129 Sursee» der Landeskarten der Schweiz.
Eine Hexerei ist es definitiv nicht, auf dieser Karte Alberswil zu finden und mithilfe der Höhenkurven sowie den Symbolen das Kreuz, den Turm und die Ruine auf «Kastelen» auszumachen. Aber es ist wie verhext: Auch die Landestopografie liefert keine Schreibhilfe, im Gegenteil, sie stiftet nur zusätzliche Verwirrung: Weder Hügel, Ruine noch Schloss sind beschriftet, dafür aber ist der Landwirtschaftsbetrieb namentlich erwähnt: «Chastelenhof» ist deutlich zu lesen.

Der vollständige Artikel befindet sich in der Heimatkunde 2012.