Samstag, 7. April 2012

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Ebersecken

Ehem. Kloster und polit. Gem. LU, Amt Willisau. Ausgedehnte Gem. im Einzelhofgebiet des Willisauer Berglands mit kleinen Weilern. 1274 Eberseche, 1275 Ebersegge. Um 1695 ca. 150 Einw.; 1798 541; 1850 583; 1900 476; 1950 552; 1990 386; 2000 404. 1274 gehörten Kapelle und Kirchensatz Frh. Rudolf von Balm. Er stiftete hier 1274-75 mit Jakob von Fischbach, Bürger von Zofingen, ein Zisterzienserinnenkloster, das 1275 unter dem Namen Pura vallis (Luther Thal, belegt 1660) besiedelt und St. Urban unterstellt wurde. Der Gründungskonvent kam aus Rathausen. Er erhielt u.a. das Dorf E. sowie Güter und Fischweiher in Egolzwil und Langnau bei Reiden. Eine Kirchweihe fand 1277 statt, 1279 wird ein Brandschaden an der Kirche genannt, 1353 eine weitere Kirchweihe. Das Kloster, das Frauen aus dem niederen Adel und Stadtbürgerinnen aufnahm, wurde anfänglich von Äbtissinnen geleitet, im 16. Jh. von Priorinnen bzw. Meisterinnen, und dürfte immer klein gewesen sein. Um 1460 zerstreute sich der Konvent nach einem Brand vorübergehend, bis 1471 ein Prokurator von St. Urban die Leitung übernahm. Um 1535 unterstellte Luzern E. einem weltl. Pfleger. Im Zuge der Reform der Luzerner Frauenklöster wurde das Kloster E. zwischen 1588 und 1594 aufgehoben und die Schwestern nach Eschenbach (LU) und Rathausen überwiesen, während die kirchl. Rechte an Rathausen gingen. Die Konventgebäude wurden vermutlich um 1590 abgetragen. Nachdem die Klosterkirche 1662 umfangreich saniert worden war, wurde sie 1707 abgebrochen und auf Insistieren der Bauern durch eine pfründenlose Katharinenkapelle ersetzt (1731 geweiht, 1997-98 restauriert). Die 1940 abgetragene Ulrichskapelle (Bau 1777, Vorgängerbau belegt) ob E. wurde von Grossdietwil aus betreut.

E. unterstand der Schutzvogtei der jeweiligen Landesherren, ab 1407 Luzern, kirchlich den Pfarreien Altishofen, Grossdietwil, Zell, Schötz und Richenthal. Auf dem Klosterareal entstand 1817-18 das erste, um 1913 das zweite Schulhaus. Zu Beginn des 19. Jh. lag E. in der Feldgraswirtschaftszone mit Einzelhöfen, wo Vieh- und Milchwirtschaft betrieben wurde. Bis ins 19. Jh. bestand kein Gemeindegut. Noch heute ist die Gem. stark agrarisch geprägt (2000 gut die Hälfte der Arbeitsplätze im 1. Sektor). Ein Tunnel bei E. erinnert an ein gescheitertes Bahnprojekt der Centralbahn von Langenthal nach Wauwil (1874-75).


Archive
– StALU, KlosterA
Literatur
– H. Steinmann, Zur Schulhausweihe E., 1913 
– Kdm LU 5, 1959, 59-63 
– HS III/3, 597-607 
– J. Manser, «E.», in JHGL 16, 1998, 123 f. 
– H.-C. Steiner, «E.», in JHGL 17, 1999, 64-67 

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

Montag, 19. März 2012

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Buttisholz

Polit. Gem. LU, Amt Sursee, am östl. Rand des Rottals, u.a. mit den Siedlungen Luternau, Soppensee und St. Ottilien. 1036 Buttensulza. Um 1695 ca. 756 Einw.; 1798 1'187; 1850 1'860; 1900 1'394; 1950 1'643; 1990 2'449; 2000 2'680.

Prähist. Funde stammen aus der Mittelsteinzeit, ein eisenzeitl. Schmelzofen wurde am Soppensee entdeckt. Im 7./8. Jh. erfolgte die alemann. Besiedlung von B. und Luternau am Rand der feuchten Talsohle. Die Herrschaftsrechte, um 1036 wohl lenzburgisch, wurden um 1290 von den Frh. von Wolhusen an Habsburg verkauft; um 1306 gehörte B. zum habsburg. Amt Wolhusen. In Luternau und Soppensee befanden sich die Stammhöfe der gleichnamigen Dienstleutefamilien. Nach der Schlacht bei Sempach 1386 schlugen die Luzerner B. der Landvogtei Ruswil zu. Als Teil der Herrschaft Tannenfels verkauften die Herren von Sursee-Tannenfels 1348 den Twing B. an den Deutschorden. 1678 erwarben die von Sonnenberg den Herrschaftskomplex, aus dem sie vor 1779 den Twing B. den Pfyffer von Altishofen abtraten.

1036 vergabte Ulrich (I.) von Lenzburg einen Drittel des Kirchensatzes der Pfarrkirche St. Verena dem Stift Beromünster. 1277 besass das Stift die ganze Kollatur, trat sie aber 1303 an das Domstift Konstanz ab. Während des Einfalls der Gugler 1375 (Gefecht bei B.) brannte die Pfarrkirche ab. 1526 erwarb Jakob Feer die Kollaturrechte und -güter. Leopold Feer liess 1570-71 das sog. Schloss B. als aristokrat. Sommersitz erbauen. 1583 und erneut 1745-53 standen Neubauten der Pfarrkirche an (1914 verbreitert). 1757 erfolgte die Umwandlung in ein Familien-Fideikommiss, 1775 wurde die Herrschaft an die Pfyffer von Altishofen als "Fideikommiss Pfyffer-Feer" vererbt. Südöstlich von B. liegt die Wallfahrtskapelle St. Ottilien (1581 erw.), die 1669 von den Feer als kreuzförmiger Zentralbau gestaltet wurde (errichtet von Jost Melchior zur Gilgen). 1807-20 wurden die Pfarrei- und Gemeindegrenzen ausgedehnt und zusammengeführt. Der Dorfkern brannte 1861 nieder und wurde danach einheitlich neu gestaltet (Ortsbild von nationaler Bedeutung). Im MA und in der frühen Neuzeit lag B. am Rande des Dreizelgengebiets. 1789 und 1793 erfolgten Einschläge zur Melioration, welche die Umstellung auf Feldgraswirtschaft einleiteten. Die Ende des 19. Jh. aufkommende Braunviehhaltung wurde in der 2. Hälfte des 20. Jh. allmählich von der Schweinezucht verdrängt. Nach 1945 entwickelten sich auch der 2. und der 3. Sektor: Maschinen- und Pumpenbau, Holzverarbeitung, Bauunternehmen, Fahrradfabrik.

Archive
– StALU, Nachlass Pfyffer-Feer
Literatur
– Kdm LU 4, 1956, 180-195
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977
– B., 1986
– A. Meyer, «B.», in JHGL 5, 1987, 36 f.
– A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Luthern

Polit. Gem. LU, Amt Willisau, die das obere Tal der L. umfasst, der Talschaft im nördl. Napfgebiet auch den Namen gibt und neben dem Dorf L. aus Luthernbad, Hofstatt und Flühlen sowie Einzelhöfen besteht. 1275 Lutrun. Um 1695 ca. 600 Einw.; 1798 1'624; 1850 2'002; 1900 1'702; 1950 1'977; 2000 1'520.

Das Lutherntal mit dem an den Hof Schwarzenbach geknüpften Kirchensatz und der Burg Walsberg oder Waldsberg (heute Ruine) bildete eine Herrschaft. Hochgerichtsrechte als Teil des späteren Freiamtes Willisau besassen bis um 1172 die Lenzburger, bis 1407 die Habsburger; sie betrafen nur die freien Bauern und die habsburg. Eigenleute. 1278 war das Tal im Besitz der Emmentaler Frh. von Affoltern, ca. 1282-1414 der Herren von Hünenberg. 1413-14 trennte sich Götz von Hünenberg von L.: Twing und Bann sowie die Taverne gelangten über Uli Hügi und Hensli Bircher an Luzern (ohne Burg, Hochwald und Fischenzen), der Kirchensatz samt dem Hof Schwarzenbach an das Kloster Trub. In der Frühneuzeit zog die Stadt Willisau Niedergerichtskompetenzen an sich. 1803-14 bildete L. einen Gerichtsbezirk, gehörte danach zu Willisau, ab 1831 zu Zell.

Die Pfarrei ist 1275 erstmals belegt. Sie dehnte sich als jüngere Gründung auf Kosten der Pfarrei Willisau aus. Bei der Aufhebung von Trub übernahm Bern die Kollatur (Luzern designierte den Pfarrer), 1577-79 gelangte sie an das Kloster St. Urban, 1848 an den Kt. Luzern. In der Frühneuzeit verfügte die Pfarrei über reiche Pfründen. Um 1751-53 wurde die Pfarrkirche St. Ulrich von Jakob Singer und Johann Josef Purtschert neu gebaut. Mit den Pfrundbauten entstand ein Dorfbild von heute nationaler Bedeutung. Seit 1581 besteht der Bade- und Wallfahrtsort Luthernbad. Die dort 1583-84 errichtete und 1752 erneuerte Kapelle wurde 1954 durch einen Neubau ersetzt. Ab ca. 1769 befand sich dort auch ein Bruderhaus und 1845-46 wurde das klösterl. Mutterhaus der Innerschweizer Eremitenkongregation errichtet (bis 1907), das 1934 bis ca. 1970 als Kinderheim diente.

Seit 1718 ist in L. ein Schulbetrieb belegt (seit 1815 Schulhaus in Hofstatt, seit 1859 in Luthernbad, seit 1906 im Älbachtal). Das Lutherntal ist ein typ. Einzelhofgebiet mit Grossviehhaltung und Alpwirtschaft. Die Alpen wurden bis in die Neuzeit häufig von Berner Sennen betrieben und erworben. Ein Zelgsystem ist nicht nachweisbar. Waldübernutzung führte v.a. im 19. Jh. zu Hochwasserschäden, weshalb ab Ende des 19. Jh. der gezielte Aufbau von Staatswäldern erfolgte. Bereits vor 1570 existierte eine Gerberei und im 18. Jh. wurde auf der Basis lokaler Verleger die Baumwollweberei eingeführt. 1765-1848 bestand eine Zollstelle (erst in L., später in Hofstatt und Älbach). Neben dem Holzgewerbe ist die marginale Goldausbeutung in der L. zu erwähnen. 1918-77 war die Transportfirma Galliker in L. (heute in Altishofen). Nach 1950 setzte eine bedeutende Abwanderung ein. Im Gebiet Bodenänzi führt die Armee einen Schiessplatz.

Literatur
– Kdm LU 5, 1959, 128-140
– H. Wicki, Bevölkerung und Wirtschaft des Kt. Luzern im 18. Jh., 1979
– A. Bickel, Willisau, 2 Bde., 1982
– H. Wicki, Staat, Kirche, Religiosität, 1990

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

Montag, 27. Februar 2012

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Altishofen

Polit. Gem. LU, Amt Willisau. Im Wiggertal gelegen, bestehend aus Dorf A. und Weiler Eichbühl. 1184/90 Alteloshovin, 1190 Alteloshoven. Um 1695 72 Steuerpflichtige (ca. 430 Einw.); 1798 579 Einw.; 1850 892; ; 1900 710; 1950 818; 2000 1'279. Spuren eines röm. Gutshofes im Gebiet Fuchshalden-Rumi. Auf eine Kirchengründung in der Mitte des 7. Jh. deuten beigabeführende alemann. Gräber, die 1988-89 bei der Kirchenrenovation entdeckt wurden. Über die ma. Burgstelle auf einem Sporn oberhalb des Dorfes ist nichts Näheres bekannt. A. gehörte mit dem Kirchensatz im 12. Jh. verm. noch den Frh. von Altbüron, als deren Erben seit der Mitte des 13. Jh. die Frh. von Balm erscheinen. Rudolf von Balm war am Königsmord von 1308 beteiligt. Sein Allod fiel ans Reich und wurde Gf. Otto von Strassberg zu Lehen gegeben, welcher 1312 die südl. der Aare gelegenen Teile dem Deutschritterorden verkaufte. Dieser unterstellte die Herrschaft A. (fortan bestehend aus A. mit dem Kirchensatz sowie Altbüron) seiner Kommende Hitzkirch. Hochgerichtl. gehörte die Herrschaft A. zur österr. Grafschaft Willisau, die 1407 in den Besitz der Stadt Luzern gelangte. 1571 verkaufte der Dt. Orden die Herrschaft A. dem Luzerner Schultheissen Ludwig Pfyffer, der neben der Kirche ein Schloss als Landsitz erbaute und sich nach A. benannte. A. blieb bis 1839 Familienfideikommiss (Majorat) der Pfyffer von A. Das Schloss ging 1862 in den Besitz der Bürgergem. A. über und beherbergt heute die Gemeindeverwaltung und das Amtsstatthalteramt Willisau. Die Kirche A. (Patrozinium St. Martin) war Zentrum einer Grosspfarrei, welche auch die Dörfer Dagmersellen (zeitweise selbständig), Buchs (LU), Wauwil, Egolzwil, Nebikon, Schötz, Ebersecken und Aesch (LU) umfasste. Das Kollaturrecht verkauften die Pfyffer von A. 1858 dem luzern. Staat, der es 1957 der Kirchgem. A. überliess. Versch. Einrichtungen belegen die Bedeutung des Herrschaftszentrums A. im 17. und 18. Jh.: Zur Kirche gehörten eine Kaplanei und eine Schulpfründe, an ehaftem Gewerbe werden Mühle, Taverne, Bad, Metzgbank, Färberei, Gerberei, Schmiede und Ziegelhütte erw. Trotz Anfängen der Industrialisierung im 19. Jh. (Wollspinnerei) wuchs A. erst seit den 1970er und 80er (naher Anschluss an die A2, Ansiedlung von Transportgewerbe). 73% der in A. Erwerbstätigen sind im 3. Sektor beschäftigt (1990). Der Brauch der Umrittsprozession (heute jeweils am Auffahrtstag) wird bereits im 16. Jh. erwähnt.

Literatur
– Kdm LU 5, 1959, 22-47
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977, 124 f.
– A. 1190-1990, 1990

Autorin/Autor: August Bickel

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Reiden

Polit. Gem. LU, Amt Willisau. R. umfasst den Weiler Reidermoos und fusionierte 2006 mit Langnau bei Reiden und Richenthal zur neuen Gem. R. 1168 Reiden. 1456 ca. 230 Einw.; um 1695 ca. 950; 1798 1'115; 1850 1'685; 1888 1'437; 1900 1'670; 1950 2'506; 2000 4'090. Reste einer Holz- und Erdburg bei Sertel und einer im 13.-14. Jh. belegten Ausbausiedlung mit eigenem Twing im Äbnet. R. war eine nur 1238-39 erwähnte habsburg. Zollstation, die 1612 von Luzern neu errichtet wurde. 1407 gelangte R. mit der Grafschaft Willisau an Luzern, das im SpätMA sukzessive die Aufsicht über die Kommende übernahm. Eine Hälfte des Twings R. gehörte der Johanniterkommende, die andere den Herren von Büttikon bzw. ab 1421 Luzern. 1803-1913 war R. Sitz des Bezirksgerichts. Die 1173 erw. Pfarrkirche St. Bartholomäus, auch untere Kirche genannt, wurde 1644-62 umgebaut und 1793-95 neu errichtet. Die obere Kirche war die Ordenskirche. Zur Pfarrei gehörte neben R. und Wikon bis 1972 auch Mehlsecken und ein Teil von Langnau. Die ref. Kirchgemeinde mit der Kirche von 1937 wurde 1918 eingerichtet. Im 13. Jh. wird eine Mühle erwähnt, 1233 eine Schmiede und 1391 ein Wirtshaus. 1636 wird ein Schulmeister genannt und seit 1798 bestehen zwei Schulgemeinden. Um 1700 ist die Mühle Unterwasser die wohlhabendste Luzerns. 1856 erfolgte der Anschluss an die Schweiz. Centralbahn, 1981 an die A2. Die Verkehrslage begünstigte die Entwicklung zum Industrie- und Gewerbestandort mit zwei Textilverlegern im 19. Jh., der Spinnerei/Zwirnerei Lang & Co. seit 1867, Maschinenfabriken nach 1900 sowie einer Schuhfabrik 1947-85. In den 1970er und 80er Jahren siedelten sich spezialisierte Betriebe für Maschinen, Zubehör und Verpackungen an. Seit 1991 existiert in R. ein gewerbl. Schulungszentrum für Fotografie. 2000 arbeiteten 64% der Erwerbstätigen von R. auswärts, v.a. in Zofingen. Der 2. Sektor stellte 2005 etwa 46% der Arbeitsplätze.

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz


Literatur
– Kdm LU 5, 1959, 180-195
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977, v.a. 162 f.
– J. Grossmann, Chronik der Pfarrei und Kommende R., 1980
– A. Bickel, Willisau, 1982


Autorin/Autor: Waltraud Hörsch

Montag, 13. Februar 2012

Fotogalerie: Winterzauber bei minus 13° C beim Napf

Aufnahmen und Beschriftung: Peter Helfenstein, Hergiswil
Bearbeitung: Patrick Kurmann, Willisau





























Montag, 6. Februar 2012

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Richenthal

Ehem. polit. Gem. LU, Amt Willisau, die 2006 mit Reiden und Langnau bei Reiden zur Gem. Reiden fusionierte. In Nebental des Wiggertals gelegene lang gezogene Siedlung mit dem Weiler Hueb und Einzelhöfen im Hügelgebiet. 1036 Richentale (Kopie des 14. Jh.), 1173 ecclesia richendal. 1695 ca. 340 Einw.; 1798 396; 1850 513; 1900 484; 1950 581; 2000 662. R. gehörte mit Langnau bei Reiden und Mehlsecken grundherrschaftlich zum Langnauer Viertel des Chorherrenstifts Beromünster. Die Kirche (Patrozinium Caecilia) wurde dem Stift vor 1036 von den Lenzburgern geschenkt, 1346 inkorporiert. 1803-07 Neubau der Kirche, 1951 und 1973 Renovation, 2007 Orgelneubau. Die Pfarrei R. umfasste bis zur Entstehung der Pfarrei Langnau 1948 auch den oberen Teil des Dorfes Langnau. Politisch war R. bis 1845 Teil des Steuerbriefs Langnau, ab 1846 selbstständige Gemeinde. 1899 Eröffnung der Kneippkuranstalt Blum (heute Park-Hotel R.). 1922 Huebbachkorrektion. R. ist kein aus Flurzwang entstandenes Dorf, sondern entwickelte erst in jüngster Zeit durch Zusammenwachsen der verschiedenen Siedlungsteile strassendorfähnl. Züge. Rückläufige, aber immer noch starke Rolle der Landwirtschaft (2005 51% der Beschäftigten im 1. Sektor) bei einer steigenden Anzahl Wegpendler.

Literatur
– Kdm LU 5, 1959, 196-202 
– M. Huber, Langnau im Wiggertal, 1996 

Autorin/Autor: Max Huber

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Schötz

Polit. Gem. LU, Amt Willisau, im oberen Wiggertal am Westrand des Wauwilermooses gelegen. Die Gem. besteht aus den Dörfern Ober- und Niederschötz, den Weilern Hostris, Mösli, A de Lutere, Wellbrig und Gläng sowie Einzelhöfen. 1184 Scothis. Um 1695 ca. 625 Einw.; 1798 971; 1850 1'462; 1900 1'121; 1950 1'717; 1970 2'351; 2000 3'065.

Im Wauwilermoos wurden Siedlungsreste aus dem Spätmesolithikum (7000-5500 v.Chr.), der Cortaillod- (4200-3500 v.Chr.) und Glockenbecherkultur (2400-2200 v.Chr.), der Spätbronze- (1350-800 v.Chr.) und Hallstattzeit (800-475 v.Chr.) gefunden. Das Kloster St. Urban erwarb ab 1226 bedeutende Güter und Rechte in S. Wichtigster Zehntherr war noch um 1330 das Kloster Einsiedeln. Um 1300 hatten die Hzg. von Habsburg hier nur das Frevelgericht inne. Ein Teil der Twingrechte gehörte vermutlich zur Feste Kasteln (Gem. Alberswil) und kam über die Herren von Affoltern sowie andere Besitzer an die Gf. von Aarberg-Valangin. Der andere Teil der Twingrechte - wohl mit der oberen Kapelle - ging vermutlich von den Frh. von Wädenswil Ende des 13. Jh. erbweise an die Herren von Büttikon. Die Stadt Luzern erwarb 1407 und 1421 beide Teile der Twingrechte und verkaufte den einen 1424 an Henzmann Herbort. Ab dem 15. Jh. erscheint ein Teil des Twings als Pertinenz der Herrschaft Kasteln. Mit dem Kauf der Herrschaft Kasteln vereinigte die Fam. Pfyffer von Wyher 1664 den Twing in einer Hand.

Pfarreilich geteilt mit zwei grundherrl. Kapellen, gehörte Niederschötz zu Altishofen, Oberschötz zu Ettiswil: 1275 erscheint die untere Kapelle St. Johann Evangelist erstmals als ecclesia. Sie war vermutlich eine Stiftung der Gf. von Kyburg und Eigenkirche der Herrschaft Kasteln. Über versch. Hände ging sie 1427 mit dem Patronatsrecht Niederschötz an das Kloster St. Urban über, wurde im 16. Jh. ganz aufgelassen und dem Zerfall preisgegeben. Die obere Kapelle St. Stephan und Mauritius wurde über einem Grubenhaus des 9. oder 10. Jh. im 13. Jh. gebaut. Sie gelangte 1440 von Heinrich von Bubenberg an St. Urban und wurde um 1468 umgebaut. Der 1489 hier entdeckte ma. Friedhof mit den Gebeinen von vermeintl. Thebäern machte sie zum Wallfahrtsziel. 1660 ersetzte ein Neubau die Kapelle. Niederschötz kam 1808 ebenfalls zur Pfarrei Ettiswil. 1866 gründete S. mit Ohmstal eine eigene Pfarrei, der Hostris, Gläng sowie Ober und Under Wellbrig zugeteilt wurden. 1875-79 liess diese die Pfarrkirche St. Mauritius in S. errichten.

1346 stand die obere Dorfmühle, 1353 auch die niedere sog. Ronmühle in Betrieb. S. war ein Dreizelgendorf, Wässermatten existierten bis in die 1920er Jahre. Mehrere Steckhöfe wurden der Gem. erst im 19. Jh. zugeteilt, so z.B. der Hof Buttenberg, der unter Joseph Leonz Hunkeler im 18. Jh. als Musterhof Aufsehen erregte. Beschäftigung bot auch die Textilheimindustrie. Ab ca. 1820 wurde Torf gestochen. 1858 gewann S. dank der Entwässerung des Egolzwilersees neues Nutzland. Weil S. nicht an die Schweiz. Centralbahn angeschlossen war, siedelten sich Industrie und Gewerbe relativ spät an: Nach 1945 enstanden Betriebe der Metallbearbeitung, Maschinenfabrikation, Zementwarenherstellung, des Strassenbaus und 1963 ein Atelier der Ritex Kleiderfabrik Zofingen (bis 1997). 1960-70 wuchs die Gem. mit vielfältigem Gewerbe. 1963-64 bestand das Projekt einer Mittellandraffinerie auf dem Hostris. 2005 stellte der 2. Sektor noch 44% der Arbeitsplätze in S. Das 1937 in S. eröffnete Wiggertaler Museum zeigt v.a. Bodenfunde aus der Ur- und Frühgeschichte.

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

Literatur
– C. Meyer, Schötzer Dorfgesch., 1972
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977
– A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996


Autorin/Autor: Waltraud Hörsch