Freitag, 27. April 2012

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Dagmersellen

Polit. Gem. LU, Amt Willisau. Strassendorf im unteren Wiggertal an der Durchgangsroute Luzern-Basel. 1070/90 Tagmarsellen, 1173 Tagemarsseildon. Um 1695 ca. 1'050 Einw.; 1798 1'281; 1850 2'005; 1900 1'761; 1950 2'019; 2000 3'311. Im Lerchensand stand im 1.-3. Jh. ein röm. Gutshof, auf dem Gäitschiflüeli fanden sich Reste einer frühma. Holzburg. Um 1070-90 vergabte Seliger (von Wolhusen?) D. an das Kloster Einsiedeln. Bis 1798 war D. ein Dinghof (Gerichtsstätte) für die Einsiedler Eigenleute und Güter zwischen Reuss und Aare. Die Vogtei, die in das hohe Gericht des Amts Willisau eingebunden war, wurde von den Einsiedler Kastvögten verliehen. Um 1283-1376/83 gehörte D. den Herren von Trostberg, die dort eine kleine Burg bewohnten (um 1385 zerstört). Das Lehen bestand aus Twing, Bann und Vogtei in D., Egolzwil und Wauwil. Danach gelangte es in zwei Teilen über Anna von Teitingen und Peter Ottimann von Zofingen 1450 bzw. über die Herren von Liebegg, die Rust von Wolhusen, die Herren von Luternau 1515 an die Stadt Luzern. 1678 kaufte das Kloster St. Urban die Oberlehensherrschaft, musste sie jedoch 1679 Luzern überlassen.

Die 1271 und 1275 belegte Pfarrkirche (Patrone Blasius und Laurentius) versorgte die Einsiedler Eigenleute. Später (evtl. vor 1346) wurde D. Altishofer Filiale und konnte erst 1813 wieder als Pfarrei konstituiert werden (Kollatur der Gem.). Im SpätMA wurde D. von Ettiswil aus pastoriert. 1819-21 wurde anstelle der alten, um 1520 erneuerten Lorenzenkapelle eine neue Pfarrkirche errichtet. 1919 entstand eine evang.-ref. Gem., die 1926 eine eigene, von Armin Meili erbaute Kirche erhielt.

Im Dreizelgendorf D. wurde 1602 ein grosser Teil des Zelgenlands zu wechselwirtschaftlich genutzten Wässerwiesen eingeschlagen, was zu einer Wertsteigerung des Landes führte. Die 1331 erw. Einsiedler Twingmühle existiert noch heute. Dank der guten Verkehrslage beteiligte sich D. früh am Fernhandel (um 1500 Viehhandel nach Oberitalien) und am Fuhrhaltergewerbe. 1446 gab es bereits mehrere Tavernen, wobei das Rössli Einsiedler Gerichtssitz war. 1456 wird ein Gerber erwähnt. Evtl. bereits im 17. Jh., sicher ab dem 18. Jh. hatte D. einen eigenen Schulmeister. Ab 1631 war D. Sitz der Schmiedebruderschaft des "unteren Gäus". Ab 1742 fanden versch. Märkte (u.a. Viehmarkt) statt. In der Frühneuzeit verfügte D. über einen hohen Anteil an Kleinbauern und Handwerkern, im 18. Jh. kam die textile Heimindustrie auf. Im Lauf des 19. Jh. orientierte sich D. vermehrt nach dem seit 1855 durch die Centralbahn erreichbaren Zofingen, was die Ansiedlung von Zofinger Produktionsbetrieben zur Folge hatte. 1857-84 wurde eine automatisierte Seidenbandweberei betrieben (um 1895 Umwandlung in eine Zwirnerei), um 1868 entstand eine Baumwollweberei, 1888-1904 lief in D. die erste schweiz. Reisschälerei, ca. 1916-58 war eine Wollweberei in Betrieb. Dazu kamen Metall- und Maschinenfabriken. 1971 liess sich die R.J. Reynolds Tobacco AG in D. nieder. Nach dem 2. Weltkrieg etablierten sich weitere Industrien in den Bereichen Kunststoff, Aluminium, Möbel, Glasrecycling und Gasvertrieb, u.a. wegen dem projektierten Autobahnanschluss an die A2 (1980).


Literatur
– A. Felber, 900 Jahre D., 1976
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977
– H. Wicki, Bevölkerung und Wirtschaft des Kt. Luzern im 18. Jh., 1979
– A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

Dienstag, 17. April 2012

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Kottwil

Ehem. polit. Gem. LU, Amt Willisau, die seit 2006 einen Teil der Gem. Ettiswil bildet. Sie liegt am Südrand des Wauwilermooses an der alten Verbindung von Sursee nach Ettiswil und umfasste die Weiler Seewagen und Zuswil. 1173 Chotwile. 1798 271 Einw.; 1850 472; 1900 418; 1950 476; 2000 386. In K. stiess man auf Siedlungsfunde ab der Mittelsteinzeit. Auf dem Chidli befand sich ein röm. Gutshof (Silberfunde aus dem 3. Jh.). Ferner wurde ein alemann. Gräberfeld und auf dem Gütsch ein Erdwerk (bewehrte Anlage) entdeckt. Ca. 1306-1481 gehörte die Vogtei K. zur Herrschaft Kasteln bei Alberswil (in den Händen der Fam. Feer) und gelangte irgendwann an die 1611-1798 als Twingherren fassbaren Schnyder von Sursee. K. (mit Seewagen) und Zuswil bildeten je eine Twinggemeinde und in beiden Dörfern sind für die Frühneuzeit Tavernen belegt (so im Zuswiler Hochstudhaus von 1562). Es wurde Dreifelderwirtschaft betrieben (in K. Wirtschaftsgenossenschaft von vier Höfen) und durch Drainage des ehem. Wauwilersees ständig Land gewonnen. Die Blutgerichts- bzw. die spätere Amtsgrenze Ruswil-Willisau folgte der Landstrasse und lief damit mitten durch das Dorf K.; Zuswil befand sich bis 1798 im Amt Ruswil. In der Helvetik wurden die Gem. K. und Zuswil dem Steuerbrief Grosswangen zugeteilt und 1812 bzw. 1819 zur Gem. vereinigt. Ab 1798 gehörte K. zum Distrikt, seit 1803 zum Amt Willisau. 1803-14 unterstand K. dem Bezirksgericht Ettiswil, 1814-1913 dem Bezirksgericht Willisau. Bis 1807 war K. kirchgenössig nach Sursee, dann nach Ettiswil. Die sog. Siebenschläferkapelle besitzt einen Freskenzyklus von ca. 1620. Mit Seewagen gehört einer der schönsten Weiler des Kantons zum noch heute landwirtschaftlich geprägten Bauerndorf K.

Literatur
– Kdm LU 5, 1959, 123
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977
– A. Meyer, «Denkmalpflege im Kt. Luzern», in JHGL 9, 1991, 77-135, v.a. 82-91
– A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996, 244

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Oftringen

Polit. Gem. AG, Bez. Zofingen. Dorf in der östl. Ebene des unteren Wiggertals mit Höfen und Weilern in den Seitentälern. Im nördlichsten Zipfel der Gem. steht die Burgruine Wartburg. 924 Ofteringa. 1653 ca. 480 Einw.; 1764 884; 1850 2'584; 1900 3'247; 1950 5'350; 1970 9'189; 2000 10'305. Mesolith. Funde, röm. Gutshof an der Kreuzstrasse, alemann. Streusiedlung. Im MA stand O. bis 1299 unter der Herrschaft der Gf. von Frohburg, danach der Habsburger. 1415-1798 gehörte die Gem. zum Amt Aarburg, 1667 entstand das Chorgericht. O. war nach Zofingen kirchgenössig, 1528 liess Bern die Reformation durchführen, 1920 bildete sich die Kirchgemeinde; 1933-34 wurde die eigene Kirche errichtet. 1663 baute die Gem. ein erstes Schulhaus, um 1740 ein zweites im Ortsteil Küngoldingen, 1969-70 folgte der Bau der Bezirksschule. Seit dem Ausbau der bern. Staatsstrassen im 18. Jh. kreuzen sich die Landstrassen Bern-Zürich und Basel-Luzern in O. Zudem liegt der Ort seit 1856 an der Bahnstrecke Olten-Luzern, der Bahnhof befindet sich auf Aarburger Gemeindegebiet. Die 1875-77 errichtete Nationalbahnstrecke Aarau-Zofingen umfasste ab 1914 eine Haltestelle in Küngoldingen. Im 18. Jh. breitete sich die Heimindustrie, deren Zentrum in Zofingen lag, nach O. aus. Der Siedlungsschwerpunkt der Gem. verschob sich in den Ortsteil Kreuzstrasse, wo sich versch. Gewerbebetriebe ansiedelten. 1825 setzte mit der Gründung einer Papierfabrik die Industrialisierung ein, entlang der Wasserläufe entstanden Textilbetriebe. Im 20. Jh. kamen Betriebe der Chemie- und Metallindustrie hinzu. 1920 arbeiteten 65% der Erwerbstätigen in Gewerbe und Industrie. Nach dem Bau des nationalen Autobahnkreuzes bei O. 1967 und 1980 siedelten sich mehrere Einkaufszentren und weitere Dienstleistungsbetriebe in der Gem. an. Die Zahl der Arbeitsplätze nahm 1950-90 von 1'430 auf 3'233 zu. Anfang des 21. Jh. stellte die Landwirtschaft nur noch knapp 4% der Arbeitsplätze, der Dienstleistungsbereich gut 60%. 1945-70 wuchs die Bevölkerung so stark, dass O. seit den 1970er Jahren bevölkerungsstärkste Gem. der Agglomeration Zofingen ist.


Literatur
– A. Hüssy, O., 1993

Autorin/Autor: Christian Lüthi

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

Samstag, 7. April 2012

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Menznau

Polit. Gem. LU, Amt Willisau, umfasst die drei Ortsteile M., Geiss und Menzberg. 1185 Menzenowa. Um 1695 ca. 650 Einw. (Geiss ca. 85); 1798 1'894; 1837 2'402; 1850 2'337; 1900 1'906; 1950 2'410; 1970 2'185; 2000 2'850.

Um 1100 gelangte der Meierhof M. von den Gf. von Fenis an das Benediktinerkloster St. Johannsen in Erlach; im 15. Jh. erscheint dieser mit Dinghofgericht. Kirche und Pfarrei wurden vermutlich von Rechtsvorgängern der ab dem frühen 13. Jh. hier herrschenden Frh. von Hasenburg als Abspaltung von Willisau begründet; einzelne Höfe blieben lange Willisauer Exklaven. Mit der Kirchenvogtei waren Niedergerichtsrechte verbunden. Um 1320 gelangte das Deutschordenshaus Hitzkirch in den Besitz der Burgstelle Kasteln oberhalb von M. Es erwarb vor 1347 Kirche, Twing und Bann von den Hasenburgern; als Twingherren setzte die Kommende später Luzerner Ratsherren ein. 1803 übernahm Luzern die Ordensrechte. Gewisse niedere Hoheitsrechte hatten auch die Wolhuser bzw. die Habsburger, welche die Hochgerichtsstruktur vereinheitlichten und M. dem Amt Wolhusen zuteilten.

Bis 1465 gehörte auch Hasle als Filialkirche zu M. 1810 trennte sich das Menznauer Napfgebiet als Pfarrei Menzberg ab. 1470-75 wurde die Johannes dem Täufer geweihte Kirche in M. umgebaut, 1628-35 und 1891 mit Übernahme der alten Ausstattung neu errichtet. Die ursprünglich kleine Gem. dehnte sich in der Helvetik auf das Gebiet der Pfarrei aus, zudem wurde ihr Geiss einverleibt. 1798-1803 war M. Teil des Distrikts Ruswil, 1803-14 des Amtes Entlebuch als eigener Gerichtsbezirk, 1814-30 des Amtes Sursee, danach des Amtes Willisau. Im MA wurde im Dorf M. vermutlich Dreizelgenwirtschaft betrieben; in der frühen Neuzeit gehörte es zum Einzugsgebiet der Ruswiler Landzünfte. 1711 wurde ein Schulhaus mit festbesoldetem Lehrer und Organisten erwähnt. Kaplan Josef Grüter gründete 1831-35 in M. eine Taubstummenschule, welche 1839 zur ersten kant. Anstalt erhoben wurde (1840 nach Werthenstein, 1847 nach Hohenrain verlegt). 1895 erhielt M. eine Station mit Anschluss an die Wolhusen-Huttwil-Bahn. Bemühungen des 1956 gegr. Industriekomitees und der Gem. um die Ansiedlung von Industrie führten mit der Gründung des Spanplattenwerks Kronospan 1966 zum Erfolg (2005 500 Mitarbeiter). Ein Zweigbetrieb der Calida AG bestand bis 1994. Von den in M. Beschäftigten arbeiteten um 2000 27% in der Landwirtschaft und 43% im 2. Sektor. Naturschutzgebiet in Tutensee.

Literatur
– M. Hunkeler, M. - Geiss - Menzberg, 1907 
– A. Bickel, Willisau, 2 Bde., 1982 
– X. Vogel, «M. auf der Suche nach einem Industriebetrieb», in Heimatkunde des Wiggertals 64, 2007, 104-133 

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Ebersecken

Ehem. Kloster und polit. Gem. LU, Amt Willisau. Ausgedehnte Gem. im Einzelhofgebiet des Willisauer Berglands mit kleinen Weilern. 1274 Eberseche, 1275 Ebersegge. Um 1695 ca. 150 Einw.; 1798 541; 1850 583; 1900 476; 1950 552; 1990 386; 2000 404. 1274 gehörten Kapelle und Kirchensatz Frh. Rudolf von Balm. Er stiftete hier 1274-75 mit Jakob von Fischbach, Bürger von Zofingen, ein Zisterzienserinnenkloster, das 1275 unter dem Namen Pura vallis (Luther Thal, belegt 1660) besiedelt und St. Urban unterstellt wurde. Der Gründungskonvent kam aus Rathausen. Er erhielt u.a. das Dorf E. sowie Güter und Fischweiher in Egolzwil und Langnau bei Reiden. Eine Kirchweihe fand 1277 statt, 1279 wird ein Brandschaden an der Kirche genannt, 1353 eine weitere Kirchweihe. Das Kloster, das Frauen aus dem niederen Adel und Stadtbürgerinnen aufnahm, wurde anfänglich von Äbtissinnen geleitet, im 16. Jh. von Priorinnen bzw. Meisterinnen, und dürfte immer klein gewesen sein. Um 1460 zerstreute sich der Konvent nach einem Brand vorübergehend, bis 1471 ein Prokurator von St. Urban die Leitung übernahm. Um 1535 unterstellte Luzern E. einem weltl. Pfleger. Im Zuge der Reform der Luzerner Frauenklöster wurde das Kloster E. zwischen 1588 und 1594 aufgehoben und die Schwestern nach Eschenbach (LU) und Rathausen überwiesen, während die kirchl. Rechte an Rathausen gingen. Die Konventgebäude wurden vermutlich um 1590 abgetragen. Nachdem die Klosterkirche 1662 umfangreich saniert worden war, wurde sie 1707 abgebrochen und auf Insistieren der Bauern durch eine pfründenlose Katharinenkapelle ersetzt (1731 geweiht, 1997-98 restauriert). Die 1940 abgetragene Ulrichskapelle (Bau 1777, Vorgängerbau belegt) ob E. wurde von Grossdietwil aus betreut.

E. unterstand der Schutzvogtei der jeweiligen Landesherren, ab 1407 Luzern, kirchlich den Pfarreien Altishofen, Grossdietwil, Zell, Schötz und Richenthal. Auf dem Klosterareal entstand 1817-18 das erste, um 1913 das zweite Schulhaus. Zu Beginn des 19. Jh. lag E. in der Feldgraswirtschaftszone mit Einzelhöfen, wo Vieh- und Milchwirtschaft betrieben wurde. Bis ins 19. Jh. bestand kein Gemeindegut. Noch heute ist die Gem. stark agrarisch geprägt (2000 gut die Hälfte der Arbeitsplätze im 1. Sektor). Ein Tunnel bei E. erinnert an ein gescheitertes Bahnprojekt der Centralbahn von Langenthal nach Wauwil (1874-75).


Archive
– StALU, KlosterA
Literatur
– H. Steinmann, Zur Schulhausweihe E., 1913 
– Kdm LU 5, 1959, 59-63 
– HS III/3, 597-607 
– J. Manser, «E.», in JHGL 16, 1998, 123 f. 
– H.-C. Steiner, «E.», in JHGL 17, 1999, 64-67 

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

Montag, 19. März 2012

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Buttisholz

Polit. Gem. LU, Amt Sursee, am östl. Rand des Rottals, u.a. mit den Siedlungen Luternau, Soppensee und St. Ottilien. 1036 Buttensulza. Um 1695 ca. 756 Einw.; 1798 1'187; 1850 1'860; 1900 1'394; 1950 1'643; 1990 2'449; 2000 2'680.

Prähist. Funde stammen aus der Mittelsteinzeit, ein eisenzeitl. Schmelzofen wurde am Soppensee entdeckt. Im 7./8. Jh. erfolgte die alemann. Besiedlung von B. und Luternau am Rand der feuchten Talsohle. Die Herrschaftsrechte, um 1036 wohl lenzburgisch, wurden um 1290 von den Frh. von Wolhusen an Habsburg verkauft; um 1306 gehörte B. zum habsburg. Amt Wolhusen. In Luternau und Soppensee befanden sich die Stammhöfe der gleichnamigen Dienstleutefamilien. Nach der Schlacht bei Sempach 1386 schlugen die Luzerner B. der Landvogtei Ruswil zu. Als Teil der Herrschaft Tannenfels verkauften die Herren von Sursee-Tannenfels 1348 den Twing B. an den Deutschorden. 1678 erwarben die von Sonnenberg den Herrschaftskomplex, aus dem sie vor 1779 den Twing B. den Pfyffer von Altishofen abtraten.

1036 vergabte Ulrich (I.) von Lenzburg einen Drittel des Kirchensatzes der Pfarrkirche St. Verena dem Stift Beromünster. 1277 besass das Stift die ganze Kollatur, trat sie aber 1303 an das Domstift Konstanz ab. Während des Einfalls der Gugler 1375 (Gefecht bei B.) brannte die Pfarrkirche ab. 1526 erwarb Jakob Feer die Kollaturrechte und -güter. Leopold Feer liess 1570-71 das sog. Schloss B. als aristokrat. Sommersitz erbauen. 1583 und erneut 1745-53 standen Neubauten der Pfarrkirche an (1914 verbreitert). 1757 erfolgte die Umwandlung in ein Familien-Fideikommiss, 1775 wurde die Herrschaft an die Pfyffer von Altishofen als "Fideikommiss Pfyffer-Feer" vererbt. Südöstlich von B. liegt die Wallfahrtskapelle St. Ottilien (1581 erw.), die 1669 von den Feer als kreuzförmiger Zentralbau gestaltet wurde (errichtet von Jost Melchior zur Gilgen). 1807-20 wurden die Pfarrei- und Gemeindegrenzen ausgedehnt und zusammengeführt. Der Dorfkern brannte 1861 nieder und wurde danach einheitlich neu gestaltet (Ortsbild von nationaler Bedeutung). Im MA und in der frühen Neuzeit lag B. am Rande des Dreizelgengebiets. 1789 und 1793 erfolgten Einschläge zur Melioration, welche die Umstellung auf Feldgraswirtschaft einleiteten. Die Ende des 19. Jh. aufkommende Braunviehhaltung wurde in der 2. Hälfte des 20. Jh. allmählich von der Schweinezucht verdrängt. Nach 1945 entwickelten sich auch der 2. und der 3. Sektor: Maschinen- und Pumpenbau, Holzverarbeitung, Bauunternehmen, Fahrradfabrik.

Archive
– StALU, Nachlass Pfyffer-Feer
Literatur
– Kdm LU 4, 1956, 180-195
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977
– B., 1986
– A. Meyer, «B.», in JHGL 5, 1987, 36 f.
– A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Luthern

Polit. Gem. LU, Amt Willisau, die das obere Tal der L. umfasst, der Talschaft im nördl. Napfgebiet auch den Namen gibt und neben dem Dorf L. aus Luthernbad, Hofstatt und Flühlen sowie Einzelhöfen besteht. 1275 Lutrun. Um 1695 ca. 600 Einw.; 1798 1'624; 1850 2'002; 1900 1'702; 1950 1'977; 2000 1'520.

Das Lutherntal mit dem an den Hof Schwarzenbach geknüpften Kirchensatz und der Burg Walsberg oder Waldsberg (heute Ruine) bildete eine Herrschaft. Hochgerichtsrechte als Teil des späteren Freiamtes Willisau besassen bis um 1172 die Lenzburger, bis 1407 die Habsburger; sie betrafen nur die freien Bauern und die habsburg. Eigenleute. 1278 war das Tal im Besitz der Emmentaler Frh. von Affoltern, ca. 1282-1414 der Herren von Hünenberg. 1413-14 trennte sich Götz von Hünenberg von L.: Twing und Bann sowie die Taverne gelangten über Uli Hügi und Hensli Bircher an Luzern (ohne Burg, Hochwald und Fischenzen), der Kirchensatz samt dem Hof Schwarzenbach an das Kloster Trub. In der Frühneuzeit zog die Stadt Willisau Niedergerichtskompetenzen an sich. 1803-14 bildete L. einen Gerichtsbezirk, gehörte danach zu Willisau, ab 1831 zu Zell.

Die Pfarrei ist 1275 erstmals belegt. Sie dehnte sich als jüngere Gründung auf Kosten der Pfarrei Willisau aus. Bei der Aufhebung von Trub übernahm Bern die Kollatur (Luzern designierte den Pfarrer), 1577-79 gelangte sie an das Kloster St. Urban, 1848 an den Kt. Luzern. In der Frühneuzeit verfügte die Pfarrei über reiche Pfründen. Um 1751-53 wurde die Pfarrkirche St. Ulrich von Jakob Singer und Johann Josef Purtschert neu gebaut. Mit den Pfrundbauten entstand ein Dorfbild von heute nationaler Bedeutung. Seit 1581 besteht der Bade- und Wallfahrtsort Luthernbad. Die dort 1583-84 errichtete und 1752 erneuerte Kapelle wurde 1954 durch einen Neubau ersetzt. Ab ca. 1769 befand sich dort auch ein Bruderhaus und 1845-46 wurde das klösterl. Mutterhaus der Innerschweizer Eremitenkongregation errichtet (bis 1907), das 1934 bis ca. 1970 als Kinderheim diente.

Seit 1718 ist in L. ein Schulbetrieb belegt (seit 1815 Schulhaus in Hofstatt, seit 1859 in Luthernbad, seit 1906 im Älbachtal). Das Lutherntal ist ein typ. Einzelhofgebiet mit Grossviehhaltung und Alpwirtschaft. Die Alpen wurden bis in die Neuzeit häufig von Berner Sennen betrieben und erworben. Ein Zelgsystem ist nicht nachweisbar. Waldübernutzung führte v.a. im 19. Jh. zu Hochwasserschäden, weshalb ab Ende des 19. Jh. der gezielte Aufbau von Staatswäldern erfolgte. Bereits vor 1570 existierte eine Gerberei und im 18. Jh. wurde auf der Basis lokaler Verleger die Baumwollweberei eingeführt. 1765-1848 bestand eine Zollstelle (erst in L., später in Hofstatt und Älbach). Neben dem Holzgewerbe ist die marginale Goldausbeutung in der L. zu erwähnen. 1918-77 war die Transportfirma Galliker in L. (heute in Altishofen). Nach 1950 setzte eine bedeutende Abwanderung ein. Im Gebiet Bodenänzi führt die Armee einen Schiessplatz.

Literatur
– Kdm LU 5, 1959, 128-140
– H. Wicki, Bevölkerung und Wirtschaft des Kt. Luzern im 18. Jh., 1979
– A. Bickel, Willisau, 2 Bde., 1982
– H. Wicki, Staat, Kirche, Religiosität, 1990

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

Montag, 27. Februar 2012

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Altishofen

Polit. Gem. LU, Amt Willisau. Im Wiggertal gelegen, bestehend aus Dorf A. und Weiler Eichbühl. 1184/90 Alteloshovin, 1190 Alteloshoven. Um 1695 72 Steuerpflichtige (ca. 430 Einw.); 1798 579 Einw.; 1850 892; ; 1900 710; 1950 818; 2000 1'279. Spuren eines röm. Gutshofes im Gebiet Fuchshalden-Rumi. Auf eine Kirchengründung in der Mitte des 7. Jh. deuten beigabeführende alemann. Gräber, die 1988-89 bei der Kirchenrenovation entdeckt wurden. Über die ma. Burgstelle auf einem Sporn oberhalb des Dorfes ist nichts Näheres bekannt. A. gehörte mit dem Kirchensatz im 12. Jh. verm. noch den Frh. von Altbüron, als deren Erben seit der Mitte des 13. Jh. die Frh. von Balm erscheinen. Rudolf von Balm war am Königsmord von 1308 beteiligt. Sein Allod fiel ans Reich und wurde Gf. Otto von Strassberg zu Lehen gegeben, welcher 1312 die südl. der Aare gelegenen Teile dem Deutschritterorden verkaufte. Dieser unterstellte die Herrschaft A. (fortan bestehend aus A. mit dem Kirchensatz sowie Altbüron) seiner Kommende Hitzkirch. Hochgerichtl. gehörte die Herrschaft A. zur österr. Grafschaft Willisau, die 1407 in den Besitz der Stadt Luzern gelangte. 1571 verkaufte der Dt. Orden die Herrschaft A. dem Luzerner Schultheissen Ludwig Pfyffer, der neben der Kirche ein Schloss als Landsitz erbaute und sich nach A. benannte. A. blieb bis 1839 Familienfideikommiss (Majorat) der Pfyffer von A. Das Schloss ging 1862 in den Besitz der Bürgergem. A. über und beherbergt heute die Gemeindeverwaltung und das Amtsstatthalteramt Willisau. Die Kirche A. (Patrozinium St. Martin) war Zentrum einer Grosspfarrei, welche auch die Dörfer Dagmersellen (zeitweise selbständig), Buchs (LU), Wauwil, Egolzwil, Nebikon, Schötz, Ebersecken und Aesch (LU) umfasste. Das Kollaturrecht verkauften die Pfyffer von A. 1858 dem luzern. Staat, der es 1957 der Kirchgem. A. überliess. Versch. Einrichtungen belegen die Bedeutung des Herrschaftszentrums A. im 17. und 18. Jh.: Zur Kirche gehörten eine Kaplanei und eine Schulpfründe, an ehaftem Gewerbe werden Mühle, Taverne, Bad, Metzgbank, Färberei, Gerberei, Schmiede und Ziegelhütte erw. Trotz Anfängen der Industrialisierung im 19. Jh. (Wollspinnerei) wuchs A. erst seit den 1970er und 80er (naher Anschluss an die A2, Ansiedlung von Transportgewerbe). 73% der in A. Erwerbstätigen sind im 3. Sektor beschäftigt (1990). Der Brauch der Umrittsprozession (heute jeweils am Auffahrtstag) wird bereits im 16. Jh. erwähnt.

Literatur
– Kdm LU 5, 1959, 22-47
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977, 124 f.
– A. 1190-1990, 1990

Autorin/Autor: August Bickel

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz