Samstag, 21. November 2015

Die Wauwiler Ebene - Sumpfgebiet und Kostbarkeit

Bei herrlichstem Novemberwetter interessierten sich über 60 Personen für die Entwicklungsgeschichte der Wauwiler Ebene vom Flachsee und Sumpfland bis hin zum heute vielseitig genutzten Landwirtschafts- und Erholungsgebiet. Die Heimatvereinigung Wiggertal konnte mit dem Kultur-Ingenieur Peter Manz einen versierten Kenner gewinnen und dieses Jahr zum Kostbarkeitenanlass bei der Schötzer Ronmühle einladen.

„Über zwei Jahrhunderte haben verschiedenste Meliorationen das Bild der Wauwiler Ebene stark verändert. Entwässerungen, Torfgewinnung, Bodenverbesserungen und Wegnetzbau verlangten enorme Anstrengungen und kosteten grosse Summen“, fasste Referent Manz zusammen.

Wie bringt man das Ron-Wasser in die höher fliessende Wigger?
In mehreren Etappen wurde der frühere Wauwiler oder Schötzer See durch Absenkung der Ron trockengelegt. Mit Betonelementen konnte verhindert werden, dass die tiefliegende Bachsohle des Hauptkanals durch den Wasserdruck wieder angehoben wurde. Um den Wasserabfluss zu verbessern, musste das Kanalbett um mehrere Meter abgesenkt werden. So unterquert die Ron unterhalb der Ronmühle die Wigger in einem Tunnel, um weiter flussabwärts das Niveau des Hauptflusses zu erreichen und so abfliessen zu können- eine wahrhaft wasserbauliche Meisterleistung! Die Begehung vor Ort entlockte manchem Besucher ein respektvolles Staunen.

Landgewinnung mit vielen Herausforderungen
Die Aussicht auf eine verbesserte Nahrungsmittelproduktion war eine der starken Triebfedern für die Landgewinnung. In den 50er-Jahren betrug die Landabsenkung durch zu starke Entwässerung bis zehn Zentimeter jährlich. Darunter litten auch die Entwässerungsleitungen, und Strassenbefestigungen waren schwierig. Bauten auf der instabilen Seekreide gerieten in Schieflage, das Bahntrasse bei Egolzwil bis Wauwil brauchte aufwändige Fundamentierung. Ausgetrocknete Seekreide verursachte weisse Staubstürme bis nach Sursee. Der schwarze Boden verlangte nach viel Dünger, und trotzdem eigneten sich nur bestimmte Pflanzen für einen mehr oder weniger ertragreichen Anbau. Der torfige, seekreidehaltige Boden war lange ein pflanzenbauliches Experimentierfeld auf der Suche nach geeigneten Getreide- oder Gemüsesorten. In einem Zeitungsartikel von 1932 waren auch kritische Äusserungen zur Entwässerung und zur Kosten-Nutzen-Rechnung zu vernehmen. Diese Stimmen verstummten aber im Zweiten Weltkrieg mit dem Anbauplan Wahlen weitgehend.

Zwischen 1930 und 1980 führten anliegende Gemeinden Güterzusammenlegungen durch. Eigentum und Felder wurden neu geordnet, Wasserläufe angepasst, ein bewirtschaftungsfreundliches Strassennetz errichtet und Höfe aus den engen Dörfern in die Ebene zu den arrondierten Feldern ausgesiedelt.

Die scheinbar unerschöpfliche Ebene bot auch Nahrung für Pläne wie Flugplatz, Ölraffinerie, Kehrichtdeponie oder Freizeitpark, die jedoch wieder verworfen wurden.
Die Wauwiler Ebene – Chance nicht nur für die Landwirtschaft
Die grossflächige Intensivierung der Landwirtschaft belastete Böden und Gewässer arg. Im Zeichen der Ökologisierung bereichern heute Naturschutzflächen die Tier- und Pflanzenvielfalt und bilden einen abwechslungsreichen Erholungsort. Der Verständniswandel zeigt sich auch darin, dass früher Subventionen für Drainageleitungen flossen und heute deren Offenlegung unterstützt wird.

Das sehr gehaltvolle Referat von Peter Manz machte allen Anwesenden deutlich: Die Wauwiler Ebene ist wahrhaftig eine Kostbarkeit voller Geschichte(n)!

Text und Fotos Pius Häfliger

Die Ron unterquert die Wigger und versetzt die Besucher ins Staunen

Besichtigung des Ronkanals

Peter Manz gibt Auskunft 

Edi Gassmann (links) und Peter Manz beim Diskutieren mit interessierten Gästen

Peter Manz bei seinem interessanten Referat

Nachträglicher Hinweis von Patrick Kurmann:

Auf dem Webauftritt der Gemeinde Wauwil lässt sich über ein Video eine kleine Reise in die Vergangenheit unternehmen - zu einer Zeit mit einem Wauwil am See:

Montag, 9. November 2015

Dienstag, 3. November 2015

Die Heimatvereinigung Wiggertal hat den Kulturpreis 2015 erhalten


fja. In feierlichem Rahmen, auf archäologisch wertvollem Gelände, in der St. Mauritiuskapelle Schötz, hat die Heimatvereinigung Wiggertal am 30. Oktober 2015 den Luzerner Kulturpreis Region West erhalten. 

Die Einladung und die Urkunde sind mit einer Schatulle geschmückt, womit Hermenegild Heuberger auf das vielfältige Kulturgut des Wiggertals hinweist, das es zu werten und zu schützen gilt, das aber immer auch für die Weiterentwicklung offen sein soll.

Willi Korner, der Präsident der Heimatvereinigung, hat die mehr als 80jährige Geschichte der Heimatvereinigung pointiert erläutert und auf die seit 1936 jährlich herausgegebene ,Heimatkunde‘ hingewiesen. Diese hat sich zur Hauptaufgabe der Heimatvereinigung entwickelt und ist auch in ihrer Erscheinungsweise von der dünnen Broschüre zum ansehnlichen Buch geworden.

Den Begriff ‚Heimat‘ hat dann auch Stefan Calivers, Chefredaktor Willisauer Bote, aufgenommen und auf den langjährigen Präsidenten Dr. h. c. Josef Zihlmann würdigend hingewiesen. ‚Seppi a de Wiggere‘ hat Sinn und Wert dieses einfachen Wortes, das aber auch missverstanden und missbraucht werden kann, immer wieder sinngebend umschrieben. Guido Roos, Geschäftsführer, und Hildegard Schär, Leiterin der Arbeitsgruppe Kultur, REGION LUZERN WEST, vertraten diese ordnend und erläuternd.

Höhepunkt des Abends war dann die Preisübergabe durch Stadträtin Brigitte Troxler, Willisau, als Mitglied der Verbandsleitung.

Und immer wieder durften die Anwesenden sich erwärmen an den gemütvollen Melodien der Husistein-Musik, deren Repertoir auch bereichert wurde mit einem Fundus aus dem Archiv der Heimatvereinigung.


Fotogalerie


Guido Roos, Geschäftsführer REGION LUZERN WEST, führte durch die Veranstaltung

Der Präsident der Heimatvereinigung, Willi Korner, bei seiner Ansprache
‚Heimat und Heimatvereinigung im Wandel‘

Immer wieder spielte die Husistein-Musik zur Freude der Gäste

Die Laudatio hielt Stefan Calivers, Chefredaktor Willisauer Bote

Hildegard Schär, Leiterin der Arbeitsgruppe Kultur REGION LUZEREN WEST,
erläuterte den Zweck des Regionalen Förderfonds

Beim Apéro: v.l.n.r. Klaus Fellmann, a. Regierungsrat; Ivo Stöckli, Bezirksgerichtspräsident; Beat Bättig, Treuhandgesellschaft; Josef Wanner, dipl. Kulturingenieur



Hildegard Schär, Altbüron, und Hermenegild Heuberger, Hergiswil

Der Kassier der Heimatvereinigung und deren früherer Präsident:
Pius Kunz Hergiswil und Andreas Bachmann, Zofingen

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Sendung SRF DOK Notlandung


Sendung vom 28. Oktober 2015. Eigenhändige Aufnahme via Teleboy.

Die Wiedergabe im Vollbild kann mit einem Klick auf die vier auseinander driftenden Pfeile rechts unten gestartet werden. Bei langsamer Internetverbindung kann die hochauflösende Wiedergabe mittels Klick auf "HD" abgeschaltet werden.




Beschreibungstext der Redaktion des Schweizer Fernsehens:

Für viele internierte ausländische Soldaten war es die Hölle auf Erden: Das Luzerner Straflager Wauwilermoos, das von 1940 bis 1946 bestand. Jetzt sprechen vier amerikanische Überlebende über ihre Zeit im Lager, ihre Fluchtversuche und über die damit verbundenen Qualen.

Ein Film von Daniel Wyss

Im Ganzen hielten sich während des Zweiten Weltkrieges über 100‘000 ausländische Soldaten freiwillig oder gezwungenermassen in der Schweiz auf. Im Gegensatz zu zivilen Flüchtlingen durfte die Schweiz sie nicht zurückweisen und musste ihren Unterhalt bis zum Ende des Konflikts gewährleisten.

Internationale Abkommen verpflichteten die Schweiz, diese Soldaten aufzunehmen. Während viele Zivilisten, vor allem Juden, in ihre Herkunftsländer zurückgeschafft wurden, blieben die ausländischen Soldaten bis zum Kriegsende in der Schweiz inhaftiert.

Die in unterschiedlichen Dörfern untergebrachten Soldaten arbeiteten in der Landwirtschaft und in der Industrie. Ausländische Offiziere wurden nicht zu Zwangsarbeit verpflichtet und wohnten in wenig belegten Hotels. Diese relativ milden Bedingungen der Internierung konnten sich allerdings für diejenigen, die zu fliehen versuchten, in einen Alptraum verwandeln. Getürmte Flüchtlinge wurden unter anderem im «Internierten-Straflager Wauwilermoos» im Kanton Luzern inhaftiert.

Dieses Militärgefängnis wurde vom Hauptmann André Béguin geleitet, einem Betrüger und Führer einer rechtsextremen Bewegung. Er setzte extrem harte Haftbedingungen durch. Die Gefangenen wurden schikaniert und misshandelt. Solche Torturen erlebten auch einige der in der Schweiz notgelandeten und im «Wauwilermoos» inhaftierten ehemaligen US-Piloten.

Am 30. April 2014 verlieh der US-Kongress den letzten acht der US-amerikanischen Überlebenden des Lagers – in Anerkennung ihrer damals erlittenen Qualen – die Medaille für Kriegsgefangene. Beinahe 70 Jahre mussten die Opfer auf eine angemessene Ehrerbietung warten. Der Film «Notlandung» beleuchtet ihre bewegende und schockierende Geschichte – die notabene auch ein Teil unserer eigenen ist. «DOK» beleuchtet ein unrühmliches Kapitel der jüngeren Schweizer Geschichte.

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Filmpremiere "Notlandung" und die Ausstellung historischer Dokumente in Egolzwil

Über notgelandete US-Kampfpiloten und ihre Schreckenszeit im „Internierten-Straflager Wauwilermoos“ finden am Freitag 23. Oktober 2015 im Gemeinde-zentrum Egolzwil eine Filmpremiere „Notlandung“ und gleichenorts auch am Samstag 24. Oktober eine Ausstellung historischer Dokumente, über das allgemeine Interniertenwesen und Original-Utensilien von damals statt.

Der Verein „Spektrum Egolzwil-Wauwil“ und die Heimatvereinigung Wiggertal organisieren diesen Anlass gemeinsam und lassen auf dem Areal der Strafanstalt Wauwilermoos einen „Gedenkstein gegen das Vergessen“










Die "Heimatkunde" der Jahre 1995 und 2016 berichtet über die Lagerverhältnisse in Egolzwil

Dr. phil. Hilmar Gernet und Agro Ing. HTL Alois Hodel beschreiben in der ‚Heimatkunde Wiggertal’ die Führung und die Zustände im Straflager Wauwilermoos. Sie nennen ihre Arbeiten ‚gegen das Vergessen‘, denn ‚Es herrscht heute noch eine sonderbare Distanz zum Lager‘, wie es Alois Hodel formuliert.

Scan aus Heimatkunde 1995, Heft 53, Artikel Gernet.











Text Artikel: Ferdinand Andermatt

Samstag, 12. September 2015

Der Kulturpreis Region Luzern West 2015 an die Heimatvereinigung Wiggertal

fja. „Alljährlich erhalten wir eine ganze Reihe von Vorschlägen zur Auswahl für die Verleihung des Kulturpreises Region Luzern West“ schreibt Guido Roos, Geschäftsführer. „Es werden Organisationen respektive Personen als Preisträger vorgeschlagen, die in verschiedenen Kulturbereichen Grosses geleistet haben. Die Heimatvereinigung Wiggertal wurde von der Kulturkommission Willisau zur Wahl vorgeschlagen. Der Antrag wurde von der Verbandsleitung Region Luzern West einstimmig angenommen.“

Die Preisverleihung findet am 30. Oktober 2015, um 19.30 Uhr, in der Mauritiuskapelle in Schötz statt.


Die Heimatvereinigung Wiggertal freut sich über diese Anerkennung für ihren Einsatz in allen Aufgaben des Vorstandes, in der Vermittlung kulturellen Bewusstseins und in der jährlichen Herausgabe der ‚Heimatkunde Wiggertal‘ mit all ihren ehrenamtlichen Autoren und Mitarbeitern. Auch die treuen Abonnenten und Mitglieder sind eingeschlossen, die damit immer wieder ihre Anerkennung für die Leistung, aber auch ihre Treue zu den Werten der engeren Heimat bekunden.





Alle Mitglieder der Heimatvereinigung und alle Freunde des kulturellen Geschehens sind freundlich eingeladen.



Eigesendet von Ferdinand Andermatt

Montag, 20. Juli 2015

Das Wunder von Luthernbad in den Berichten von Renward Cysat



fja. Das Lutherntal ist das an der Grenze zu Bern liegende westlichste Einzugsgebiet der Wigger. Im hintersten Talkessel liegt Luthernbad. Es hat seine Aufmerksamkeit und eigentlich auch seinen Namen erhalten durch die wunderbare Heilung von Jakob Minder im Jahre 1581. Der Luzerner Stadtschreiber Renward Cysat hat die Geschehnisse schriftlich festgehalten. Durch die ausserordentlichen Begebenheiten und das heilende Wasser wurde Luthernbad zum „Einsiedeln des Kleinen Mannes“. Die Texte von Renward Cysat sind neu in einer lesbaren Sprache und mit künstlerisch wertvollen Zeichnungen ergänzt, gedruckt herausgegeben worden. Die Vernissage findet am 15. August 2015, um 16.30 in Luthernbad in Anwesenheit des Luzerner Regierungspräsidenten Reto Wyss statt. (Programm siehe Flyer)