Montag, 27. Februar 2012

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Altishofen

Polit. Gem. LU, Amt Willisau. Im Wiggertal gelegen, bestehend aus Dorf A. und Weiler Eichbühl. 1184/90 Alteloshovin, 1190 Alteloshoven. Um 1695 72 Steuerpflichtige (ca. 430 Einw.); 1798 579 Einw.; 1850 892; ; 1900 710; 1950 818; 2000 1'279. Spuren eines röm. Gutshofes im Gebiet Fuchshalden-Rumi. Auf eine Kirchengründung in der Mitte des 7. Jh. deuten beigabeführende alemann. Gräber, die 1988-89 bei der Kirchenrenovation entdeckt wurden. Über die ma. Burgstelle auf einem Sporn oberhalb des Dorfes ist nichts Näheres bekannt. A. gehörte mit dem Kirchensatz im 12. Jh. verm. noch den Frh. von Altbüron, als deren Erben seit der Mitte des 13. Jh. die Frh. von Balm erscheinen. Rudolf von Balm war am Königsmord von 1308 beteiligt. Sein Allod fiel ans Reich und wurde Gf. Otto von Strassberg zu Lehen gegeben, welcher 1312 die südl. der Aare gelegenen Teile dem Deutschritterorden verkaufte. Dieser unterstellte die Herrschaft A. (fortan bestehend aus A. mit dem Kirchensatz sowie Altbüron) seiner Kommende Hitzkirch. Hochgerichtl. gehörte die Herrschaft A. zur österr. Grafschaft Willisau, die 1407 in den Besitz der Stadt Luzern gelangte. 1571 verkaufte der Dt. Orden die Herrschaft A. dem Luzerner Schultheissen Ludwig Pfyffer, der neben der Kirche ein Schloss als Landsitz erbaute und sich nach A. benannte. A. blieb bis 1839 Familienfideikommiss (Majorat) der Pfyffer von A. Das Schloss ging 1862 in den Besitz der Bürgergem. A. über und beherbergt heute die Gemeindeverwaltung und das Amtsstatthalteramt Willisau. Die Kirche A. (Patrozinium St. Martin) war Zentrum einer Grosspfarrei, welche auch die Dörfer Dagmersellen (zeitweise selbständig), Buchs (LU), Wauwil, Egolzwil, Nebikon, Schötz, Ebersecken und Aesch (LU) umfasste. Das Kollaturrecht verkauften die Pfyffer von A. 1858 dem luzern. Staat, der es 1957 der Kirchgem. A. überliess. Versch. Einrichtungen belegen die Bedeutung des Herrschaftszentrums A. im 17. und 18. Jh.: Zur Kirche gehörten eine Kaplanei und eine Schulpfründe, an ehaftem Gewerbe werden Mühle, Taverne, Bad, Metzgbank, Färberei, Gerberei, Schmiede und Ziegelhütte erw. Trotz Anfängen der Industrialisierung im 19. Jh. (Wollspinnerei) wuchs A. erst seit den 1970er und 80er (naher Anschluss an die A2, Ansiedlung von Transportgewerbe). 73% der in A. Erwerbstätigen sind im 3. Sektor beschäftigt (1990). Der Brauch der Umrittsprozession (heute jeweils am Auffahrtstag) wird bereits im 16. Jh. erwähnt.

Literatur
– Kdm LU 5, 1959, 22-47
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977, 124 f.
– A. 1190-1990, 1990

Autorin/Autor: August Bickel

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Reiden

Polit. Gem. LU, Amt Willisau. R. umfasst den Weiler Reidermoos und fusionierte 2006 mit Langnau bei Reiden und Richenthal zur neuen Gem. R. 1168 Reiden. 1456 ca. 230 Einw.; um 1695 ca. 950; 1798 1'115; 1850 1'685; 1888 1'437; 1900 1'670; 1950 2'506; 2000 4'090. Reste einer Holz- und Erdburg bei Sertel und einer im 13.-14. Jh. belegten Ausbausiedlung mit eigenem Twing im Äbnet. R. war eine nur 1238-39 erwähnte habsburg. Zollstation, die 1612 von Luzern neu errichtet wurde. 1407 gelangte R. mit der Grafschaft Willisau an Luzern, das im SpätMA sukzessive die Aufsicht über die Kommende übernahm. Eine Hälfte des Twings R. gehörte der Johanniterkommende, die andere den Herren von Büttikon bzw. ab 1421 Luzern. 1803-1913 war R. Sitz des Bezirksgerichts. Die 1173 erw. Pfarrkirche St. Bartholomäus, auch untere Kirche genannt, wurde 1644-62 umgebaut und 1793-95 neu errichtet. Die obere Kirche war die Ordenskirche. Zur Pfarrei gehörte neben R. und Wikon bis 1972 auch Mehlsecken und ein Teil von Langnau. Die ref. Kirchgemeinde mit der Kirche von 1937 wurde 1918 eingerichtet. Im 13. Jh. wird eine Mühle erwähnt, 1233 eine Schmiede und 1391 ein Wirtshaus. 1636 wird ein Schulmeister genannt und seit 1798 bestehen zwei Schulgemeinden. Um 1700 ist die Mühle Unterwasser die wohlhabendste Luzerns. 1856 erfolgte der Anschluss an die Schweiz. Centralbahn, 1981 an die A2. Die Verkehrslage begünstigte die Entwicklung zum Industrie- und Gewerbestandort mit zwei Textilverlegern im 19. Jh., der Spinnerei/Zwirnerei Lang & Co. seit 1867, Maschinenfabriken nach 1900 sowie einer Schuhfabrik 1947-85. In den 1970er und 80er Jahren siedelten sich spezialisierte Betriebe für Maschinen, Zubehör und Verpackungen an. Seit 1991 existiert in R. ein gewerbl. Schulungszentrum für Fotografie. 2000 arbeiteten 64% der Erwerbstätigen von R. auswärts, v.a. in Zofingen. Der 2. Sektor stellte 2005 etwa 46% der Arbeitsplätze.

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz


Literatur
– Kdm LU 5, 1959, 180-195
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977, v.a. 162 f.
– J. Grossmann, Chronik der Pfarrei und Kommende R., 1980
– A. Bickel, Willisau, 1982


Autorin/Autor: Waltraud Hörsch

Montag, 13. Februar 2012

Fotogalerie: Winterzauber bei minus 13° C beim Napf

Aufnahmen und Beschriftung: Peter Helfenstein, Hergiswil
Bearbeitung: Patrick Kurmann, Willisau





























Montag, 6. Februar 2012

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Richenthal

Ehem. polit. Gem. LU, Amt Willisau, die 2006 mit Reiden und Langnau bei Reiden zur Gem. Reiden fusionierte. In Nebental des Wiggertals gelegene lang gezogene Siedlung mit dem Weiler Hueb und Einzelhöfen im Hügelgebiet. 1036 Richentale (Kopie des 14. Jh.), 1173 ecclesia richendal. 1695 ca. 340 Einw.; 1798 396; 1850 513; 1900 484; 1950 581; 2000 662. R. gehörte mit Langnau bei Reiden und Mehlsecken grundherrschaftlich zum Langnauer Viertel des Chorherrenstifts Beromünster. Die Kirche (Patrozinium Caecilia) wurde dem Stift vor 1036 von den Lenzburgern geschenkt, 1346 inkorporiert. 1803-07 Neubau der Kirche, 1951 und 1973 Renovation, 2007 Orgelneubau. Die Pfarrei R. umfasste bis zur Entstehung der Pfarrei Langnau 1948 auch den oberen Teil des Dorfes Langnau. Politisch war R. bis 1845 Teil des Steuerbriefs Langnau, ab 1846 selbstständige Gemeinde. 1899 Eröffnung der Kneippkuranstalt Blum (heute Park-Hotel R.). 1922 Huebbachkorrektion. R. ist kein aus Flurzwang entstandenes Dorf, sondern entwickelte erst in jüngster Zeit durch Zusammenwachsen der verschiedenen Siedlungsteile strassendorfähnl. Züge. Rückläufige, aber immer noch starke Rolle der Landwirtschaft (2005 51% der Beschäftigten im 1. Sektor) bei einer steigenden Anzahl Wegpendler.

Literatur
– Kdm LU 5, 1959, 196-202 
– M. Huber, Langnau im Wiggertal, 1996 

Autorin/Autor: Max Huber

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Schötz

Polit. Gem. LU, Amt Willisau, im oberen Wiggertal am Westrand des Wauwilermooses gelegen. Die Gem. besteht aus den Dörfern Ober- und Niederschötz, den Weilern Hostris, Mösli, A de Lutere, Wellbrig und Gläng sowie Einzelhöfen. 1184 Scothis. Um 1695 ca. 625 Einw.; 1798 971; 1850 1'462; 1900 1'121; 1950 1'717; 1970 2'351; 2000 3'065.

Im Wauwilermoos wurden Siedlungsreste aus dem Spätmesolithikum (7000-5500 v.Chr.), der Cortaillod- (4200-3500 v.Chr.) und Glockenbecherkultur (2400-2200 v.Chr.), der Spätbronze- (1350-800 v.Chr.) und Hallstattzeit (800-475 v.Chr.) gefunden. Das Kloster St. Urban erwarb ab 1226 bedeutende Güter und Rechte in S. Wichtigster Zehntherr war noch um 1330 das Kloster Einsiedeln. Um 1300 hatten die Hzg. von Habsburg hier nur das Frevelgericht inne. Ein Teil der Twingrechte gehörte vermutlich zur Feste Kasteln (Gem. Alberswil) und kam über die Herren von Affoltern sowie andere Besitzer an die Gf. von Aarberg-Valangin. Der andere Teil der Twingrechte - wohl mit der oberen Kapelle - ging vermutlich von den Frh. von Wädenswil Ende des 13. Jh. erbweise an die Herren von Büttikon. Die Stadt Luzern erwarb 1407 und 1421 beide Teile der Twingrechte und verkaufte den einen 1424 an Henzmann Herbort. Ab dem 15. Jh. erscheint ein Teil des Twings als Pertinenz der Herrschaft Kasteln. Mit dem Kauf der Herrschaft Kasteln vereinigte die Fam. Pfyffer von Wyher 1664 den Twing in einer Hand.

Pfarreilich geteilt mit zwei grundherrl. Kapellen, gehörte Niederschötz zu Altishofen, Oberschötz zu Ettiswil: 1275 erscheint die untere Kapelle St. Johann Evangelist erstmals als ecclesia. Sie war vermutlich eine Stiftung der Gf. von Kyburg und Eigenkirche der Herrschaft Kasteln. Über versch. Hände ging sie 1427 mit dem Patronatsrecht Niederschötz an das Kloster St. Urban über, wurde im 16. Jh. ganz aufgelassen und dem Zerfall preisgegeben. Die obere Kapelle St. Stephan und Mauritius wurde über einem Grubenhaus des 9. oder 10. Jh. im 13. Jh. gebaut. Sie gelangte 1440 von Heinrich von Bubenberg an St. Urban und wurde um 1468 umgebaut. Der 1489 hier entdeckte ma. Friedhof mit den Gebeinen von vermeintl. Thebäern machte sie zum Wallfahrtsziel. 1660 ersetzte ein Neubau die Kapelle. Niederschötz kam 1808 ebenfalls zur Pfarrei Ettiswil. 1866 gründete S. mit Ohmstal eine eigene Pfarrei, der Hostris, Gläng sowie Ober und Under Wellbrig zugeteilt wurden. 1875-79 liess diese die Pfarrkirche St. Mauritius in S. errichten.

1346 stand die obere Dorfmühle, 1353 auch die niedere sog. Ronmühle in Betrieb. S. war ein Dreizelgendorf, Wässermatten existierten bis in die 1920er Jahre. Mehrere Steckhöfe wurden der Gem. erst im 19. Jh. zugeteilt, so z.B. der Hof Buttenberg, der unter Joseph Leonz Hunkeler im 18. Jh. als Musterhof Aufsehen erregte. Beschäftigung bot auch die Textilheimindustrie. Ab ca. 1820 wurde Torf gestochen. 1858 gewann S. dank der Entwässerung des Egolzwilersees neues Nutzland. Weil S. nicht an die Schweiz. Centralbahn angeschlossen war, siedelten sich Industrie und Gewerbe relativ spät an: Nach 1945 enstanden Betriebe der Metallbearbeitung, Maschinenfabrikation, Zementwarenherstellung, des Strassenbaus und 1963 ein Atelier der Ritex Kleiderfabrik Zofingen (bis 1997). 1960-70 wuchs die Gem. mit vielfältigem Gewerbe. 1963-64 bestand das Projekt einer Mittellandraffinerie auf dem Hostris. 2005 stellte der 2. Sektor noch 44% der Arbeitsplätze in S. Das 1937 in S. eröffnete Wiggertaler Museum zeigt v.a. Bodenfunde aus der Ur- und Frühgeschichte.

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

Literatur
– C. Meyer, Schötzer Dorfgesch., 1972
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977
– A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996


Autorin/Autor: Waltraud Hörsch

Donnerstag, 26. Januar 2012

Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Aarburg

Polit. Gem. AG, Bez. Zofingen. Ma. Städtchen in der Aareklus zu Füssen der gleichnamigen Burg und Festung, vorgelagert eine seit dem MA bestehende, nie befestigte Vorstadt entlang der Aare sowie ausgedehnte Industriequartiere des 19. und 20. Jh. 1123 Areburc. Um 1400 ca. 180 Einw.; 1764 569; 1798 1'029; 1850 1'700; 1900 2'300; 1970 5'943; 2000 6'263.

Kelt. Münzfunde. In röm. Zeit führte eine Strasse von Olten in die Innerschweiz über A. (Münzdepot des 3. Jh.), später die Nord-Süd-Verbindung von Basel über Olten nach Luzern (seit 1856 auch per Bahn). Die Burg auf dem Felssporn über der Aareklus, die sich als Zoll- und Übersetzstelle anbot, wurde erstmals indirekt erw. mit der Nennung des frohburg. Gf. Adelbero von A. 1123. Die Frohburger verkauften die mit Dienstmannen (sog. Freie von A.) besetzte Burg und die zugehörige Herrschaft 1299 den Hzg. von Österreich. Von der Siedlung am Fuss der Burg ist in älteren Quellen nicht die Rede. Erst 1330 wird sie explizit als Stadt bezeichnet; zu spät, um -- wie früher angenommen -- eine frohburg. Gründung zu sein. Archäolog. Erkenntnisse stützen diese These; ein für die Stadtanlage wichtiger Bau wurde jüngst auf 1312 datiert. Hoch- und Niedergericht gehörten den Inhabern der Burg. Nur je 3-4 km von den blühenden frohburg. Kleinstädten Zofingen und Olten entfernt, blieb für A. nur ein enger Wirtschaftsraum. A. wuchs daher nicht über die Grösse eines Zwergstädtchens hinaus. Die Aareschifffahrt besass bis zum Aufkommen der Bahn um 1860 eine hohe wirtschaftl. Bedeutung (Höhepunkt 1600-1750). Der südl. des Städtchens gegen die Fliessrichtung der Aare einmündende Bach Tych verursacht am Aareknie einen kreisenden Strudel (sog. Waage), der einen natürl. Flusshafen bildet (Hafen 1361, Fahr 1431 erw.). Hier wurden v.a. Wein und Salz umgeschlagen und durchs Wiggertal ins Luzernische geführt. Das Holz der grossen Waldungen südl. der Aare wurde hier zu Flössen gebunden.

1415 nach kurzer Belagerung in bern. Besitz gebracht und ab 1416 als Landvogteisitz verwendet, wurde die Burg nach dem Bauern- und 1. Villmergerkrieg 1659-73 zur Festung umgebaut, die sich mit gestaffelten Werken über den ganzen Grat hinzog und bis ins 18. Jh. Erweiterungen erfuhr. Am 10.3.1798 wurde sie kampflos den Franzosen übergeben. Das als Kulturgut von nationaler Bedeutung eingestufte Bauwerk diente im 19. Jh. als kant. Zeug- und Zuchthaus und ist seit 1893 Heim für schwer erziehbare Jugendliche. Nach einem Stadtbrand 1840 wurde die keilförmig zwischen Burgfelsen und Fluss eingepasste Altstadt wiederaufgebaut, ohne die schmale Nordflanke mit den Hauptbefestigungen. Kirchl. zählte A. bis 1484 zur Grosspfarrei Zofingen und bildet seither ein eigenes Kirchspiel. Die 1840 ebenfalls eingeäscherte Kirche stand an der Stelle einer früheren Burgkapelle am Aufstieg zur Burg und wurde 1842-45 als neugot. Saalkirche mit Doppelturmfassade durch Johann Jakob Heimlicher neu errichtet. Seit dem 19. Jh. siedelten sich Industriebetriebe versch. Branchen an, anfängl. v.a. der Textilindustrie (erste Fabrik 1824), vermehrt wieder seit der Erstellung der Nationalstrassen A1 und A2, die sich 2 km südöstl. von A. verzweigen. A. ist stark industriell geprägt und weist seit 1950 etwa gleich viel Arbeitsplätze wie Erwerbstätige auf. 1920-80 betrug der Anteil der Arbeitsplätze in der Industrie stets zwischen 56% und 69%, 1990 noch 47% (1. Sektor 1%, 3. Sektor 52%). Eine Bezirksschule besteht seit 1836. A. gehört heute zur Agglomeration Olten und bildet gleichzeitig mit Rothrist, Oftringen und Zofingen einen eigenen Siedlungsschwerpunkt im untersten Wiggertal.

Literatur
– J. Bolliger, A., 1970
– P. Frey, «Der Kernbau der Alten Post in A.», in ArS 12, 1989, 78-85
– A. Bickel, Zofingen von der Urzeit bis ins MA, 1992, 476-480
– A. Hüssy et al., Festung A., 1994

Autorin/Autor: Andreas Steigmeier

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

Dienstag, 17. Januar 2012

Fotogalerie: Vorstandssitzung im Schloss Wyher März 2011

Aufnahmen und Bearbeitung: Patrick Kurmann, Willisau






Geschichtliches Gemeinde-Portrait von Hergiswil

Polit. Gem. LU, Amt Willisau. H. umfasst das hintere Tal der Enziwigger im nördl. Napfgebiet und liegt in einer typ. Einzelhof-, Wechsel-, Alp- und Waldwirtschaftsregion. 1246 de Hergosswile. Um 1695 ca. 650 Einw.; 1798 223 (im alten Twing); 1816 2'021 (Dorf im Umfang der Pfarrei); 1850 2'487; 1900 1'940; 1950 2'130; 1980 1'780; 2000 1'809. Auf Salbüel befand sich vom Ende des 10. bis zur Mitte des 13. Jh. eine Erd-Holz-Burg. Um 1300 beanspruchte Habsburg die hohen und niederen Gerichte im Twing H. und in Wiggen. Siedlungen freier Leute wie z.B. Opfersei und Wissbühl gehörten zur oberen Burg Willisau. Ab 1407 stand H. unter Luzerner Herrschaft bzw. unter dem Stadtgericht von Willisau. 1605 konnte das bis anhin im Willisauer Sprengel integrierte H. eine Pfarrei bilden, die den Umfang des Twings weit übertraf. Sie bildete auch die Grundlage des späteren Steuerbriefs und der Gemeinde. Eine Kapelle besteht vermutlich seit dem 16. Jh. Die erste Kirche wurde 1603 geweiht (Kuratkaplanei ab 1602). Die zweite entstand 1840-42. Im 14. Jh. ist eine Mühle erwähnt und noch in der Frühneuzeit wurde viel Getreide angebaut. Im alten Twing H. bestand bis um 1598 Dreizelgenwirtschaft, und der Twingwald wurde erstmals im 16. Jh. aufgeteilt. Bis ins 19. Jh. betrieb man auch Flussgoldwäscherei. Industrie siedelte sich keine an. Im 20. Jh. gewann aber die Fleischproduktion, Mastschweine und Hühnerzucht, an Bedeutung. 2000 war fast die Hälfte der in H. Erwerbstätigen im 1. Sektor beschäftigt. Zu Beginn des 19. Jh. ereignete sich ein Dorfbrand. Im 19. Jh. befand sich bei der Bergkapelle St. Joder eine Einsiedelei, die der Waldbruder Michael Achermann von Malters, ein Bildhauer, bewohnte. Der Dorfkern wurde bis 1920 nach biedermeierl.-ital. Art gestaltet. 1956 baute die Gem. drei Schulhäuser, wobei das Schulhaus St. Joder 1971 wieder stillgelegt wurde.

Literatur
– Kdm LU 5, 1959, 115-122
– A. Bickel, Willisau, 1982
– J. Zihlmann, Namenlandschaft im Quellgebiet der Wigger, 1984
– W. Meyer, Pfostenbau und Grubenhaus, 1991
– A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz